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Was ein Welpe bei mir als erstes lernt
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Bindung zum Welpen aufbauen

Das allerwichtigste ist für mich eine Bindung zu meinem Welpen aufzubauen. Das bedeutet: Herrchen und Frauchen sind spannend für den Hund, man kann viel Spaß mit Ihnen haben. Aber der Hund muss sich an die Regeln halten, die der Mensch setzt.
Im Alltag bedeutet das bei mir z.B.:

  • der Welpe soll sich (einen Teil seines) Futters verdienen / erarbeiten. Man kann z.B. eine Mahlzeit in einen Kong füllen und der Welpe darf auf ein Kommando (bei mir "frei") hin dran. (Am Anfang immer direkt das Kommando sagen, erst langsam aufbauen dass der Hund wartet bis er dran darf). Der Welpe lernt dabei, dass nur die Menschen Zugriff auf so tolle Sachen wie den Kong o.Ä. haben und er diesen nur zugeteilt bekommt - der Kong liegt nie in der Wohnung rum.
  • Spielzeug liegt nie einfach rum, nur die Menschen haben den Zugriff darauf. Der Mensch beginnt und beendet auch das Spiel. Bei Welpen gebe ich gerne ein kleines Leckerchen wenn ich das Spiel beende, dann hat er es leichter dass das schöne Spiel ein Ende hat.
  • Spaziergänge mit den Menschen sind spannend: der Welpe lernt die Welt kennen und lernt aber auch, dass seine Menschen das Interessanteste auf dem Spaziergang sind. Er darf sich z.B. ein bisschen Futter erarbeiten (Sitz, Platz, Tricks) und auch Futter vom Boden suchen (auf Kommando "such"). Ich rate davon ab immer einen Ball mit auf den Spaziergang zu nehmen, denn wenn man von klein auf ständig dem Hund einen Ball wirft kann man sich einen richtigen Ball-Junkie erziehen.
    Ich empfehle lieber viele kleine Spaziergänge / Ausflüge mit einem Welpen zu machen als zu große, denn das kann der Welpe weder geistig verarbeiten noch körperlich durchhalten.
  • Auf seine Menschen kann sich der Hund verlassen: wenn der Welpe in einer unangenehmen Situation ist, darf er sich bei seinen Menschen zwischen die Beine setzen um dort Zuflucht zu suchen. (Wenn ein anderer Hund kommt und es meinem Hund unangenehm ist, gehe ich in die Hocke, breite meine Arme aus, biete meinem Hund den Schutz an und wehre ggf. den anderen Hund - sanft - ab. Dann hat der andere Besitzer genug Zeit seinen Hund wegzunehmen.)
    Wenn der Welpe etwas gruselig findet (z.B. eine Statur, die ein Tier darstellt oder ein Pferd, Kinderwagen, Rollstuhlfahrer etc), dann soll er lernen sich an seinem Menschen zu orientieren. Der Mensch zeigt dem Welpen, dass er sich nicht fürchten muss indem er selbst ruhig ist, sich auf die Höhe des Welpen begibt, die Hand danach ausstreckt was gruselig erscheint. Wenn sich der Welpe dann noch nicht traut näher ran zu gehen, kann man auch ein Leckerchen nehmen und den Welpen ranführen. Man sollte dann so lange dort bleiben und dem Welpen die Zeit geben, die er braucht, bis er ruhiger wird. Dann kann man weiter gehen.
  • Hund ist nicht Nabel der Welt: Der Hund soll lernen, dass sich nicht alles nach ihm richtet, sondern dass die Menschen wichtiger sind. Das heißt nicht, dass man sich nicht um seinen Hund kümmert, sondern dass er lernt seinen Platz in der Familie zu finden. Er soll nicht lernen dass ihm jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird, er soll sich auch einmal etwas erarbeiten müssen. So lernt er auch Spaß am Hundetraining zu haben, denn da gibt es als Belohnung die guten Leckerchen.

Der Welpe lernt Ruhe und Impulskontrolle kennen

Da ich Pudelbesitzerin bin, ist es für ich wichtig meinen Welpen frühzeitig Ruhe bewahren zu zeigen und die Impulskontrolle zu trainieren. Denn Pudel gehören eher zu den aufgeregteren, hibbeligeren Rassen, denen es nicht unbedingt in der Natur liegt ruhig oder gelassen zu sein. Bei den kleinen Pudeln tritt das noch verstärkter auf als beim Großpudel. Mit meinen Zwergpudeln musste ich viel mehr üben um sie ruhiger werden zu lassen als mit meinem Großpudel.

  • Ruhe belohnen: wenn der Welpe von sich aus ruhiges Verhalten zeigt wird dies durch ein verbales Lob bestätigt (z.B steht er einfach nur im Raum rum oder liegt)
  • Sitz und Platz aufbauen mit bleiben
  • wenn der Welpe schon etwas älter ist (ca 3-4 Monate) legt man ein Stück Futter auf den Boden und lässt ihn nicht ran, so soll er lernen das Futter erst auf Kommando zu nehmen: Aufbau der Impulskontrolle
  • beim Futternapf hinstellen soll der Welpe lernen abzuwarten und erst dran zu gehen wenn er sein Kommando hat.
  • es wird nicht gejagt! Der Welpe sollte von anfang an lernen, dass er seinen Impuls zu jagen unter Konrolle bringen muss. Er sollte auch schon gar nicht erst anfangen Tiere zu fixieren, denn bereits das gehört zum jagen. ich versuche ihn dazu freundlich anzusprechen und schaue ob er reagiert - wenn ja: super, Lob! Wenn nein, dann stelle ich mich präsent in den Weg und sage ein Abbruchkommando "Schluss" und mache dazu noch eine Handbewegung. Hier noch ein ganz tolles Video zum Thema.

Rückruf

Wenn die Menschen rufen ist das positiv für den Hund: es wird immer mit einem Leckerchen und einem Lob belohnt. Man kann auch gerne kombinieren: Man ruft den Hund zu sich ran, belohnt und macht dann noch ein Grundkommando, z.B. "Sitz", belohnt wieder und schickt den Hund dann auf Kommando (bei mir französisch "Allez" ) wieder in den Freilauf. Gerne kann man auch von Anfang an mit der Pfeife arbeiten.

Auch schön ist es ein "Abrufspiel" mit dem Welpen zu machen. Dazu braucht man zwei Menschen, die sich ein paar Meter auseinander stellen und immer abwechselnd den Hund zu sich rufen. So hat der Welpe Spaß beim rennen und gleichzeigtig den Rückruferfolg und bekommt sein Leckerchen dafür.

Beißhemmung aufbauen

Sehr wichtig ist es außerdem dem Hund beizubringen, dass nicht in Menschen und schon gar nicht in Kinder gebissen wird! Außerdem sind alle Möbel und Gegenstände der Menschen (Decken, Kissen, Kinderwagen etc.) tabu! Ich zeige das meinem Welpen so, dass ich immer wenn er mich beißt (auch wenn es nur ganz leicht ist und nicht weh tut) wird sofort unterbrochen und ich gehe weg.

Z.B. kann das beim Spiel passieren, dass der Welpe anfängt zu beißen, dann höre ich sofort auf und gehe weg. So lernt der Welpe auf ganz harmlose Weise, dass beißen schlecht für ihn ist, denn das Spiel hört auf. Wenn der Welpe trotzdem weiterhin zum beißen neigt, greife ich ihm übers Maul und drücke einmal kurz zu (ohne ihm weh zu tun natürlich). Das ahmt die Art von Hunden nach, sich gegenseitig mit dem Schnauzenbiss zu maßregeln.

Wenn der Hund seine Kauwut, die oft beim Zahnwechsel am stärksten ist, an meinen Möbeln auslässt verbiete ich ihm das genauso wie in Menschen zu beißen. Ich verbiete es mit einem "Schluss", falls der Hund nicht reagiert kann man ihn auch wieder mit dem Schnauzengriff maßregeln.

Ganz wichtig ist es außerdem, dass es immer Alternativen zum Nagen gibt. Bei mir liegen immer Geweihstücke und Kauhölze zur freien Verfügung des Hundes rum. Oft Knabberstangen o.Ä. zu geben ist auch sehr hilfreich und fördert genau wie Geweihstücke und Kauhölzer auch noch die Zahnpflege.

Der Welpe lernt die Welt kennen: Sozialisierung

In den ersten Wochen dreht sich viel um die Soziealisierung des Welpen. Es ist extrem wichtig, dass der Hund viele neue Erfahrungen sammeln kann, denn wenn er jetzt zu wenig Neues gezeigt bekommt wird er es als erwachsener Hund schwer haben Situationen gelassen gegenüber zu stehen.

Ganz wichtig ist es andere Hunde und vor allem andere Rassen kennen zu lernen. Dazu kann man gut jede Gelegenheit auf einem Spaziergang nutzen, wenn einem ein ! freundlicher ! Hund begegnet. Wichtig dabei: immer erst an der Leine bis auf ein paar Meter ran gehen und den anderen Besitzer fragen ob man beide Hunde ableinen kann. Dann kann man seinen Welpen ableinen und auf Kommando (z.B. "allez") in den Freilauf schicken.

Schön ist es auch wenn man Übernachtungen mit dem Welpen übt, denn der Hund soll in Zukunft auch einmal mit in den Urlaub oder einmal bei Familie / Freunden übernachten wenn man selbst nicht da ist.

Wie ich meine Hunde an andere Tiere gewöhne habe ich in einem anderen Blogpost beschrieben.

Man sollte nicht vergessen den Hund auch ans Wasser zu gewöhnen, denn nicht jeder Hund geht gleich als Welpe freiwillig ins Wasser - auch ein Pudel nicht unbedingt.

Konsequenz

Herrchen und Frauchen sind konsequent: nein heißt nein und Sitz heißt nicht Platz. Man sollte nicht ständig Regeln verändern oder "Fünfe mal gerade" sein lassen, denn das verwirrt den Hund nur. Regeln aufzustellen bedeutet nicht, den Hund zu ärgern oder besonders streng zu sein. Es bedeutet für den Hund, dass er sich darauf verlassen kann wie die Dinge im Alltag ablaufen.

Z.B. soll der Hund nicht hochspringen, auch nicht nur das eine Mal weil er gerade so süß ist. Da sollte man sich selbst auch am Riemen reißen und zu seinen eigenen Regeln stehen. Man macht ja auch bei der Stubenreinheit keine Außname oder dass am Essenstisch nicht gebettelt/gestört wird .

Alleine Bleiben

Wie ich meinen Hunden das Alleine bleiben beibringe beschreibe ich in diesem Blogpost - Hunde allein zuhause.

Das lernen meine Welpen kennen

Folgendes zeige u.A. ich meinen Welpen, damit sie eine gute Sozialisierung für ihr ganzes Hundeleben haben. Bitte nicht erschrecken - ja die Liste ist lang, aber vieles wird auch den meisten selbstverständlich sein.

  • Aufzug
  • Läden
  • Einkaufswägen
  • Stadt
  • Rolltreppen
  • Rollstuhlfahrer
  • Walking- und Gehstöcke
  • Motorräder
  • Menschen mit Kopfbedeckungen (verschiedene: Hüte, Mützen, Kappen, Kopftücher etc)
  • Fahrräder
  • Autos und Auto fahren
  • Pferde und Rinder
  • Alte Menschen
  • Kinder
  • Menschenansammlungen
  • Züge und Straßenbahnen
  • Wasser und dass man hineingehen kann
  • Fahrradkörbchen
  • Fremde Häuser (Freunde/ Familie besuchen)
  • Besuch (Fremde Menschen im eigenen Haus)
  • Besuch mit anderen Hunden bei uns
  • Staubsauger und -Roboter
  • Waschmaschinen
  • Küchenmaschine
  • Rasenmäher und -Roboter
  • Besen und Wischmopp
  • Fön
  • Badewanne
  • Kämmen
  • Ohren putzen
  • Krallen Schneiden
  • Laute Musik
  • Fernseher
  • Spiegel
  • Tunnel
  • Wackelige Untergründe
  • Zelte / Planen
  • Wind (wenn möglich)
  • Gewitter (wenn möglich)
  • Schnee (wenn möglich)

Dazu kann ich noch folgendes anmerken: man sollte immer im Kopf behalten, dass unsere Hunde in der Natur nicht beim Menschen leben würden und dass sie all diese Dinge die ich aufgelistet habe in der Natur nicht kennen würden. Deshalb müssen wir ihnen zeigen wie sie sich in unserer Welt zurecht finden können ohne Angst und Stress zu haben. Das heißt nicht, dass jeder Welpe grundsätzlich immer vor allem Neuen Angst haben wird, aber es ist wichtig sich die Zeit zu nehmen ihm unsere Menschenwelt in Ruhe zu zeigen.

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